Montag, 14. Januar 2013

Ich


Vorwort


 

Wo komme ich her und was habe ich zu sagen...

Geboren wurde ich 1969 in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik. Wie wir heute wissen und alle es in der Schule lernen handelte es sich um einen Unrechtsstaat unter dem Deckmantel der Demokratie. Es war eine Diktatur, nämlich die Diktatur des Proletariats oder auch Arbeiterklasse genannt. Oberster Diktator 1971 bis 1989 war Erich Honecker, von Beruf Dachdecker. Wer jetzt denkt, das konnte ja nichts werden, dem gibt die Geschichte Recht. Wenn er auch nichts von Wirtschaft verstand so behandelte er aber die Kinder in seinem Herrschaftsbereich recht nett und freundlich. Alle hatten Ihren Platz im System, von der Krippe über den Kindergarten, Schule, Ausbildung hin zum Berufsalltag. Keiner kann behaupten, dass er in irgendeiner Weise vernachlässigt wurde. Das am Ende einer Ausbildung ein studierter Bürger der DDR auch nicht viel zur Entwicklung der Menschheit beitragen konnte lag nicht am mangelnden Willen sondern am sozialistischen Wirtschaftssystem, dem einfach alle Ressourcen fehlten, um sich mit größeren Fragen als denen der inneren Versorgung zu beschäftigen. Doch hin und wieder gelang auch den Ostdeutschen mal ein großer Wurf. Mein Vater erzählte mir letztens so nebenbei er hätte mit Kollegen die Europaletten (die aus Holz) entwickelt. Leider hatte der Osten keine Ahnung von Patentrechten und ein Ingenieur der DDR arbeitete ja fürs Volk und nicht für seine finanzielle Zukunft. Wäre es anders gewesen wäre ich eventuell nur der Sohn eines Reichen und hätte dies auch gleich zu meinem Beruf gemacht. Gut, dass dies nicht geschehen ist!

Er ist studierter Maschinenbauingenieur und liebte seinen Beruf, deshalb blieb er wohl auch über das Renteneintrittsalter hinaus seiner Firma treu. Das ist es wohl, was Politiker heute gerne sehen würden, Unternehmenslenker, Gewerkschaften und Vorschriften aber zu verhindern wissen. Ich finde, mein Vater gibt ein gutes Beispiel des hochmotivierten Mitarbeiters ab. Er war am Aufbau des Trabant Werkes in Zwickau beteiligt, dies sicherte Ihm  das Privileg zu, einen Wagen ohne Wartezeit zu erhalten. Dieses nutzte er auch. Heutzutage sollte man ja nichts verschweigen, was andere einem vorwerfen könnten. Später war er im VEB Rationalisierung und Projektierung als Abteilungsleiter tätig. Dieser Betrieb beschäftigte sich mit der Planung und Realisierung von Bauprojekten, vornehmlich im Verkehrssektor, Busbahnhöfe, Parkplätze und Raststätten. Als Kind besuchte ich meine Eltern öfter in den Büros und war immer mächtig stolz. Dies bestimmt wegen der großen Büros mit den aus meiner Sicht riesigen Schreibtischen und der netten, ehrlichen Freundlichkeit und Aufmerksamkeit welche mir die Kollegen meiner Eltern entgegenbrachten. In der DDR war man als Kind immer willkommen.

Meine Eltern waren nicht in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands kurz SED. Ob das nun gut oder schlecht war braucht man nicht zu erörtern. Mein Vater überzeugte eher durch Leistung und diese ermöglichte es Ihm an Auslandseinsätzen seiner Firma teilzunehmen. Überall auf der Welt, wo die „Rote Flut“ ein von schlimmeren Diktatoren als unserem Dachdecker befreites Land überrollte setzte sofort die mit bescheidenen Mitteln aber Zielgerichtete „Wirtschaftshilfe“ ein. Mein Vater und seine Kollegen waren für den Aufbau von Werkstätten und Garagen zuständig, welche in Folge für die Instandhaltung der durch die DDR gelieferten LKW sorgten. Ich war immer aufgeregt und total begeistert, wenn ich Ihn mit meiner Mutter vom Flughafen Schönefeld abholen durfte und er braungebrannt aus der Empfangshalle trat. Mit schickem schwarzen Anzug und braunen Aktenkoffer. Die Anschließenden Diaabende mit Bildern aus Angola, Nicaragua der Republik Kongo und anderen Ländern und den dazugehörigen Erzählungen waren für mich absolut beeindruckend und verhalfen mir zu manch guter Zensur im Geographieunterricht. Die Milch einer frischen Kokosnuss oder eine fruchtige direkt aus Afrika stammende Ananas zu verzehren bedeutete auch für eine in Ostberlin lebende Familie ein einmaliges Erlebnis. Neben diesen schönen Erinnerungen gibt es noch viele andere, die ich Ihm zu verdanken habe, da wären die jährlichen Urlaube an der deutschen oder polnischen Ostsee (wir ließen kein Jahr aus) oder seine Unterstützung bei schulischen Aufgaben sowie die Förderung meiner sportlichen Aktivitäten in der Jugend. Auch für mein erstes Fahrrad und dann zum Start der Lehre mein erstes Motorrad bin ich sehr Dankbar. Aus heutiger Sicht war es nicht so einfach, diese Wünsche eines Jugendlichen zu erfüllen, da das Gehalt eines Ingenieurs noch unter dem eines Arbeiters lag. Zumal die Familie auch noch meine Mutter, Schwester die Wohnung und ein Auto umfasste.

Ich kann nur sagen, vielen Dank für alles!

 Meine Mutter war als Sekretärin in der Akademie für Gesellschaftswissenschaften angestellt. Nach Ihren Aussagen, war es eine ziemlich anstrengende weil eintönige Aufgabe, die Parteitagsschriften mit mechanischen Schreibmaschinen zu vervielfältigen. Eintönig bezieht sich vor allem auf den Inhalt dieser Dossiers und deren nutzen, vergleichbar vielleicht mit dem Parteiprogramm der FDP. All diese Schriften führten nicht zum Sieg des Sozialismus oder, um beim Vergleich zu bleiben, zu signifikanten Wahlerfolgen der FDP. Man beschäftigte sich halt zu gern mit sich selbst und blendete die Realitäten gerne aus. Viel bringt nicht immer viel. Inhalte müssen gelebt werden und Schrift sollte den Rahmen für Gedanken und Ansichten bieten.

Würde es eine gelebte Form des Hinterfragens geben, zeigten sich Schwachstellen in historischen Hinterlassenschaften und Vorgaben unter Berücksichtigung der sich im Laufe der Zeit ändernden Einflussfaktoren viel schneller. Das Festhalten an Worten oder Schriften vergangener Zeiten führte so manche Gesellschaft ins „Nirwana“. Wirkungsvolle, zeitgemäße Veränderungen ließen sich schneller umsetzen und besser erklären.

Glücklicherweise wusste sie sich zu helfen. Mit Stricken bezwang sie die Langeweile. Und meine Mutter kann stricken, sie wurde zu DDR Zeiten des Öfteren für Ihre ausgefallenen, westlichen Strickmodeheften entnommenen, wunderschönen Kleidungstücke mit bewundernden Blicken und Worten überhäuft. Nähen, Backen und Kochen gehören zu Ihren weiteren unübertroffenen Stärken. Ich bin der festen Überzeugung dass, wäre sie statt von den russischen Truppen von den Amerikanern und Ihren Alliierten befreit worden sie Ihre Talente auch in beruflicher Hinsicht hätte einsetzen können. Dies gilt natürlich auch für 17 Millionen andere Ostdeutsche, deren Befreiung sich ja nur um 44 Jahre gegenüber Westdeutschland verzögerte. Denn von einer Diktatur in die nächste zu gelangen, unbeachtet der Farbe die diese trägt, gehört nicht zu den schönsten Erfahrungen eines Volkes.

Meine Mama liebt das Theater und Bücher. Besuche von Opernhäusern und Theateraufführungen standen oft auf dem Programm und selbstverständlich wurde jedes Stück vor dem Besuch in Buchform gelesen, damit man der Handlung folgen konnte. Dies steigerte noch den Genuss. Uns Kindern hat sie jeden Wunsch von den Augen abgelesen und tut das auch heute noch. Und unser Zuhause war immer schick und gemütlich aufgrund Ihres Geschicks und Interesses an dekorativen Dingen. Wie für viele Familien gehört Weinachten zu den Höhepunkten jedes Jahres und bringt die Emotionen zum Kochen mit der Frage der Verteilung der Gänsekeulen. Kriege um dieses knappe Gut brechen nun nicht aus, seit 1989 stehen ausreichend, zusätzliche Keulen zur Verfügung und niemand muss verzichten.

Aber wir starten die Weihnachtsfeiertage trotzdem mit dieser Frage, da es ein Ritual geworden ist. Ich kann da auch im Namen meiner Schwester und Nichte sprechen, wenn ich sage, wir lieben unsere Eltern und Großeltern und sind Ihnen unendlich dankbar!

Diese vielen schönen Erinnerungen sind auch eine Form der Motivation, denn immer wenn es mal nicht so gut läuft im Leben kann ich aus ihnen Kraft und Energie ziehen. Eine Gesellschaft, der diese Erinnerungen nicht wichtig sind und die nicht dafür sorgt, dass die Kinder aller wieder vorhandenen „Schichten“ mit positiven Eindrücken versorgt werden und dadurch gestärkt ins Leben gehen, hat früher oder später ein grundlegendes Problem. Die Begeisterungsfähigkeit für allgemeine Fragen des Lebens geht verloren. Von immer mehr Menschen wird immer weniger gutes an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Personen, die in der Gesellschaft positive Veränderungen herbeiführen möchten, stehen zunehmend größeren Problemen wie Gleichgültigkeit bis hin zur Ablehnung gegenüber.

Verweigerungshaltung ist ein Lieblingsbegriff für Jugendliche, die nicht so funktionieren wie sie sollen. Dass es dafür aber auch Gründe gibt, die in der Gesellschaft zu suchen sind wird nur selten öffentlich angesprochen. Dank der Pisa- Studie ging einem Land mal auf, dass es ein Bildungsproblem hat. Wie würde Deutschland ohne diesen genialen Einfall heute eigentlich dastehen? Das überlasse ich Ihrer Fantasie. Ich besuchte in der DDR die sogenannte Polytechnische Oberschule. Eine 10 Klassen Schule für alle. Das Wissen wurde wie heute auch mittels Klassenarbeiten in Schriftform abgefragt, wodurch man gezwungen war, sich mit dem Unterrichtsinhalt zu beschäftigen. Die Lehrer waren Respektspersonen und die regelmäßigen Elternabende in den Schulen waren für mich immer ein Grund schon im Vorfeld alle meine Vergehen in den Schulpausen oder im Unterricht meinen Eltern zu beichten. Nichts blieb unentdeckt, alles wurde ausgewertet. Alle wussten Bescheid, die Lehrer wie es zu Hause bei den Kindern stand und die Eltern, wie sich Ihre Sprösslinge in der Schule so machten. Gab es Abweichungen von dem was erwartet wurde, wurde nach Lösungen gesucht. Diese Korrekturen betrafen meist den Schüler und nur selten den Lehrer. Alles in allem verstand man sich mit den Lehrern aber recht gut. Sie machten immer einen kompetenten Eindruck und ich kann mich an keinen erinnern, dem in irgendeiner Weise Überforderung oder Lustlosigkeit anzusehen gewesen war. Dies liegt rückblickend sicher auch an der angesehenen gesellschaftlichen Stellung, die einem Lehrer in einer Diktatur zugestanden wird. Diese Staatsform kümmert sich in vielen Fällen sehr intensiv um die Nachwachsenden, ihnen kann man die politischen Ziele und Gegebenheiten unbeeinflusst von Erinnerungen am besten vermitteln. Sie sind die wirklichen Träger der Nation und die Zukunft. Ich frage mich, wie es passieren konnte, dass die Demokratie in Deutschland die Wichtigkeit der Bildungsfrage so lange unterschätzen konnte. Als Säule des Landes sollte die Jugend in jeder Gesellschaftsform gesehen werden und entsprechend breit gefördert werden. Hat die Diktatur einen Plan und die Demokratie nicht? Oder liegt das Problem der Demokratie in der Meinungsvielfalt und Parteienvielfalt nach dem Motto, “ Zu viele Köche verderben den Brei“ beziehungsweise „Zu viele Köche bekommen den Topf nicht aufs Feuer“. Wenn es einen Plan für die Zukunft gibt sollten auch in der Demokratie alle Verantwortlichen das Ziel der aufstrebenden Gesellschaft verfolgen. Es sollte Einigkeit über Lehrmethoden und Lehrmittel herrschen. Die Lehrpläne und Lehrmittel sollten einheitlich in allen Bundesländern gelten. Es ist unsinnig verschiedene Ansichten zur Bildungspolitik in einem Staat zu vertreten und umzusetzen. Vielmehr sollte man in kürzester Zeit die besten Lehrmethoden aus den vergangenen Jahren angepasst an die zukünftigen Entwicklungen und Anforderungen der Wirtschaft zusammenfassen und entsprechend umsetzen. Das entscheidende bleibt dabei die stete Erfolgskontrolle an der Basis, sprich den Schülern und Studenten an den Schulen und Universitäten und Unternehmen. Eine solche Vorgehensweise würde dem Lehrkörper einen überschaubaren Rahmen bieten, in dem der Weg und das Ziel klar beschrieben sind. Experimente braucht man in diesem Bereich nicht sondern kontinuierliche auf Informationen beruhende Anpassungen an die Erfordernisse. Dies fördert auch zugleich die Chancengleichheit aller Kinder in diesem Land. Wer jetzt sagt, das brauchen wir nicht, hauptsächlich geht es nur um mein Kind, macht einen großen Fehler. Intelligenz nur einer besonderen Gruppe von Menschen zuzutrauen, wie es heute von einigen Mitbürgern wieder versucht wird ist grundsätzlich falsch. Im deutschen Volk wird so viel Intelligenz vorhanden sein, wie in jedem anderen auch. Die Frage taucht auf, wie erkennen wir besonders begabte Kinder und können sie so fördern, dass ihre Begabung nutzenbringend für die Gesellschaft eingesetzt werden kann? Welche Formen und Ausprägungen von besonderen Fähigkeiten gibt es überhaupt und ist der Lehrer von heute in der Lage und gewillt solche Kinder zu erkennen? Oder überwiegt der Stress und für mehr bleibt kein Raum? Ich bin fest davon überzeugt, dass der Wirtschaft aufgrund des derzeitigen Bildungssystems Unmengen talentierten, engagierten und begabten, zu zukunftsorientierten Denkens fähige Persönlichkeiten entgehen.

Heute stehen den Jugendlichen alle Möglichkeiten offen. Es kommt nur darauf an, das Interesse an bestimmten Tätigkeiten schon so früh wie möglich zu wecken. Die beste Zeit dafür sind die Schuljahre. Man entwickelt sich und ist offen für die verschiedensten Anregungen betreffend die berufliche Zukunft. Ein schönes Beispiel, wie dies heute schon passiert sind die vom Unternehmen Evonic unterstützen Kinderuniversitäten. Spielerisch werden Heranwachsende dort mit naturwissenschaftlichen Experimenten an Berufe herangeführt, die ihnen ohne diese Institution völlig unbekannt wären oder als zu langweilig erscheinen würden.

In der DDR konzentrierte man sich auf die Werbung von Schülern für alle militärischen und polizeilichen Berufe. Indoktrination ist die Zauberformel, die auch wunderbare Ergebnisse erbrachte. Mich selbst betraf es auch. Ich erinnere mich nur noch an wenige Einzelheiten, so besuchten Schulklassen Kasernen der russischen Truppen, der NVA oder Polizeireviere auch schon in den unteren Klassen. Uniformen, Waffen, Fahrzeuge und motivierende Gespräche (besser Vorträge) mit/von Offizieren taten ihr Übriges, bei vielen Kindern ein bleibendes Interesse zu wecken. Auch Feuerwehren und andere Betriebe wurden Kindern vorgeführt und gaben ihnen einen Einblick in die Arbeitswelt.

Auch wenn die Industrie in Ostdeutschland unproduktiv war, handelt es sich bei dieser Methode zum Zwecke der Interessenentwicklung und Mitarbeitergewinnung um eine durchaus nachahmenswerte Methode. Die Unternehmen- Institutionen der heutigen Gesellschaft (Bzgl.: Pflegesektor, Krankenhäuser) sollten frühzeitiger ansetzen, sich begeisterte Mitarbeiterressourcen für die Zukunft zu erschließen. Ebenso ist es möglich, die breite Masse der Jugend auch mit zukunftsorientierten, innovativen, wissenschaftlichen Berufen in Berührung zu bringen und dadurch die Lust am Lernen zu steigern. Orientierungslosigkeit, Ziellosigkeit und Ängste lassen sich damit sicher um einiges minimieren. Weitere positive Effekte sollten sich dann in der Industrie bemerkbar machen, motivierte, entsprechend vorgebildete und in erforderlicher Anzahl vorhandene Bewerber bereichern die Unternehmen. Und dies passiert alles ohne Zwang auf spielerische Art und Weise. Dies erfordert aber eine langfristigere Betrachtung aller Umstände und Erfordernisse einer Nation. Nur in Wahlperioden oder Geschäftsjahren zu Denken ist für gewisse Aufgabenstellungen notwendig, für andere aber unangebracht. Alle beteiligten sollten sich mehr bemühen, zukünftige Erfordernisse zu erkennen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Möglich wird dies durch vielseitige Informationsauswertung, gesammelt auch und gerade bei der Basis, den Unternehmen und Institutionen. Der Bildungsgesellschaft steht nichts im Wege, wenn man seine Bevölkerung ausreichend informiert, ihr Chancen und Möglichkeiten aber auch Erfordernisse bezüglich des notwendigen Bildungsstandes jedes einzelnen mitteilt. Sollte der gewünschte Beruf dann nicht ergriffen werden, da sich entweder der Arbeitsmarkt oder der Berufswunsch geändert hat, führt der höhere Bildungsstand auch zu besseren Einstiegsmöglichkeiten in Alternativberufe. Bewerber und Gesellschaft bleiben flexibel auch in Zeiten der Globalisierung. Ein weiterer Aspekt darf nicht unerwähnt bleiben, nämlich der innere Antrieb, die Lust am gewählten Beruf, die Freude es zu tun. Dies könnte auch ein probates Mittel sein, um Qualitätsprobleme in sensiblen Bereichen wie der Altenpflege (Beispiel) in den Griff zu bekommen. Wobei es sich nicht vermeiden lässt, in Branchen, in denen Menschen von Menschen abhängig sind, Geld eine Rolle spielt und Fehlverhalten von Einzelnen oder Gruppen trotz Selbstkontrolle nicht ausgeschlossen werden kann, unabhängige staatliche Kontrollen zu etablieren. Es ist und bleibt seine Aufgabe, für Bildung und Sicherheit aller seiner Bürger zu sorgen. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Außendienstler hatte ich die Möglichkeit, mir fast alle Altenheime Berlins anzusehen. Es war beeindruckend und erschütternd zugleich, auf wie unterschiedliche Weise Bürger unseres Landes ihren Lebensabend verbringen können oder müssen. Das war wohl auch meine erste richtige Erfahrung mit den Begriffen reich und arm. Es war auch der Anstoß, Land und Leute etwas genauer zu betrachten.

Ich unterschrieb schon mit 15 Jahren eine Bereitschaftserklärung, in der ich mich verpflichtete, nach Schul- und Berufsausbildung sowie Ableistung des Wehrdienstes einer Tätigkeit im Polizeidienst nachzugehen. Diese drei Dinge erledigte ich auch bis 1989. Die Wende ersparte es mir dann, mich als Polizist mit Rechten, Linken, oder allgemeinen Gegner einer Sache herumzuschlagen. Ich wollte schon diesen Beruf ergreifen und bewarb mich in Berlin, aber ein fehlender hoher Ton, der mir in der schalldichten Kammer einfach nicht zufliegen wollte vernichtete alle Wunschvorstellungen. Mit dem Satz, „Wir können Sie ja so nicht verbeamten, Ihr Gehör könnte sich ja weiter verschlechtern und dann tragen wir die Kosten ihrer Frühpensionierung“ entließ man mich in die Marktwirtschaft. Ich hätte es auch ohne Beamtenstatus gemacht und an meiner Motivation wäre es auch nicht gescheitert. Aber jedes Ende ist ja auch ein neuer Anfang. Bei der Suche nach einer erfüllenden Tätigkeit kam gleich das nächste Handicap zum Tragen. Da die DDR mich weder zum Abitur noch zur Berufsausbildung mit Abitur zuließ, bei mir noch die für Ostdeutschland typische Familienplanung nachwirkte, ich also jung Vater wurde, fiel die Entscheidung leicht. Vertreter. Neudeutsch nennt man das heute Sales- Manager. Dank eines umfangreichen Wortschatzes und eines gewissen Geschicks bei der Anwendung desselben,  viel es mir leicht, die Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen. Es hat sogar Spaß gemacht. Zwischendurch versuchte ich mich mittels eines BWL Studiums für höhere Aufgaben zu qualifizieren. Persönliche Umstände ließen mich nach der Hälfte der Zeit und trotz guter Noten das Handtuch werfen. Ganz schön blöd werden sie jetzt denken. Manchmal denke ich das auch. Viel öfter denke ich aber, dass es wirklich genug BWL Studenten, Doktoren, Professoren und fertige Praktiker gibt, es reicht sozusagen. Verschenkt war die Zeit jedenfalls nicht. Verschenkt war die Zeit nicht, im Gegenteil. Ich weiß nun, dass alle wissen wie es funktioniert, die Sache mit der Marktwirtschaft und dem Kapital im Allgemeinen. Nur in Zeiten von Eurokrise und stärker werdenden Ausschlägen der  Konjunkturschwankungen, bei denen jetzt schon ganze Volkswirtschaften vom Karussell geschleudert werden oder nur mit Mühe und viel Ballast in Form von harten Euromünzen auf ihren Plätzen gehalten werden können kommen mir Zweifel daran. Hinterfragen ist kaum erwünscht, was gelehrt wird muss stimmen, denn es wurde immer gelehrt. Wenn es aber so ist, dann sind auch alle weiteren Folgen absehbar. Geld ist ein knappes Gut. Somit sind Gewinne der Unternehmen auch von der umlaufenden Geldmenge abhängig. Wenn ich oben auf dem Gipfel des Mount Everest stehe geht es nur noch abwärts. Die Frage ist nur, ob es bis zum Fuß des Berges hinabgeht, oder irgendwo zwischendrin der Aufstieg von neuem beginnt. Europa ist nicht Amerika. 

Nur wer Fragen stellt bekommt auch Antworten.

Nur wer zuhören kann, ist in der Lage zu verstehen!

Nur wer versteht kann sinnvolle Handlungen ausführen!

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