Vorwort
Wo komme ich
her und was habe ich zu sagen...
Geboren
wurde ich 1969 in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik. Wie wir
heute wissen und alle es in der Schule lernen handelte es sich um einen
Unrechtsstaat unter dem Deckmantel der Demokratie. Es war eine Diktatur,
nämlich die Diktatur des Proletariats oder auch Arbeiterklasse genannt.
Oberster Diktator 1971 bis 1989 war Erich Honecker, von Beruf Dachdecker. Wer
jetzt denkt, das konnte ja nichts werden, dem gibt die Geschichte Recht. Wenn
er auch nichts von Wirtschaft verstand so behandelte er aber die Kinder in
seinem Herrschaftsbereich recht nett und freundlich. Alle hatten Ihren Platz im
System, von der Krippe über den Kindergarten, Schule, Ausbildung hin zum
Berufsalltag. Keiner kann behaupten, dass er in irgendeiner Weise
vernachlässigt wurde. Das am Ende einer Ausbildung ein studierter Bürger der
DDR auch nicht viel zur Entwicklung der Menschheit beitragen konnte lag nicht
am mangelnden Willen sondern am sozialistischen Wirtschaftssystem, dem einfach
alle Ressourcen fehlten, um sich mit größeren Fragen als denen der inneren
Versorgung zu beschäftigen. Doch hin und wieder gelang auch den Ostdeutschen
mal ein großer Wurf. Mein Vater erzählte mir letztens so nebenbei er hätte mit
Kollegen die Europaletten (die aus Holz) entwickelt. Leider hatte der Osten
keine Ahnung von Patentrechten und ein Ingenieur der DDR arbeitete ja fürs Volk
und nicht für seine finanzielle Zukunft. Wäre es anders gewesen wäre ich
eventuell nur der Sohn eines Reichen und hätte dies auch gleich zu meinem Beruf
gemacht. Gut, dass dies nicht geschehen ist!
Er ist
studierter Maschinenbauingenieur und liebte seinen Beruf, deshalb blieb er wohl
auch über das Renteneintrittsalter hinaus seiner Firma treu. Das ist es wohl,
was Politiker heute gerne sehen würden, Unternehmenslenker, Gewerkschaften und
Vorschriften aber zu verhindern wissen. Ich finde, mein Vater gibt ein gutes
Beispiel des hochmotivierten Mitarbeiters ab. Er war am Aufbau des Trabant
Werkes in Zwickau beteiligt, dies sicherte Ihm
das Privileg zu, einen Wagen ohne Wartezeit zu erhalten. Dieses nutzte
er auch. Heutzutage sollte man ja nichts verschweigen, was andere einem
vorwerfen könnten. Später war er im VEB Rationalisierung und Projektierung als
Abteilungsleiter tätig. Dieser Betrieb beschäftigte sich mit der Planung und
Realisierung von Bauprojekten, vornehmlich im Verkehrssektor, Busbahnhöfe,
Parkplätze und Raststätten. Als Kind besuchte ich meine Eltern öfter in den
Büros und war immer mächtig stolz. Dies bestimmt wegen der großen Büros mit den
aus meiner Sicht riesigen Schreibtischen und der netten, ehrlichen
Freundlichkeit und Aufmerksamkeit welche mir die Kollegen meiner Eltern
entgegenbrachten. In der DDR war man als Kind immer willkommen.
Meine Eltern
waren nicht in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands kurz SED. Ob das
nun gut oder schlecht war braucht man nicht zu erörtern. Mein Vater überzeugte
eher durch Leistung und diese ermöglichte es Ihm an Auslandseinsätzen seiner
Firma teilzunehmen. Überall auf der Welt, wo die „Rote Flut“ ein von
schlimmeren Diktatoren als unserem Dachdecker befreites Land überrollte setzte
sofort die mit bescheidenen Mitteln aber Zielgerichtete „Wirtschaftshilfe“ ein.
Mein Vater und seine Kollegen waren für den Aufbau von Werkstätten und Garagen
zuständig, welche in Folge für die Instandhaltung der durch die DDR gelieferten
LKW sorgten. Ich war immer aufgeregt und total begeistert, wenn ich Ihn mit
meiner Mutter vom Flughafen Schönefeld abholen durfte und er braungebrannt aus
der Empfangshalle trat. Mit schickem schwarzen Anzug und braunen Aktenkoffer.
Die Anschließenden Diaabende mit Bildern aus Angola, Nicaragua der Republik
Kongo und anderen Ländern und den dazugehörigen Erzählungen waren für mich
absolut beeindruckend und verhalfen mir zu manch guter Zensur im
Geographieunterricht. Die Milch einer frischen Kokosnuss oder eine fruchtige
direkt aus Afrika stammende Ananas zu verzehren bedeutete auch für eine in
Ostberlin lebende Familie ein einmaliges Erlebnis. Neben diesen schönen
Erinnerungen gibt es noch viele andere, die ich Ihm zu verdanken habe, da wären
die jährlichen Urlaube an der deutschen oder polnischen Ostsee (wir ließen kein
Jahr aus) oder seine Unterstützung bei schulischen Aufgaben sowie die Förderung
meiner sportlichen Aktivitäten in der Jugend. Auch für mein erstes Fahrrad und
dann zum Start der Lehre mein erstes Motorrad bin ich sehr Dankbar. Aus
heutiger Sicht war es nicht so einfach, diese Wünsche eines Jugendlichen zu
erfüllen, da das Gehalt eines Ingenieurs noch unter dem eines Arbeiters lag.
Zumal die Familie auch noch meine Mutter, Schwester die Wohnung und ein Auto
umfasste.
Ich kann nur
sagen, vielen Dank für alles!
Meine Mutter war als Sekretärin in der
Akademie für Gesellschaftswissenschaften angestellt. Nach Ihren Aussagen, war
es eine ziemlich anstrengende weil eintönige Aufgabe, die Parteitagsschriften
mit mechanischen Schreibmaschinen zu vervielfältigen. Eintönig bezieht sich vor
allem auf den Inhalt dieser Dossiers und deren nutzen, vergleichbar vielleicht
mit dem Parteiprogramm der FDP. All diese Schriften führten nicht zum Sieg des
Sozialismus oder, um beim Vergleich zu bleiben, zu signifikanten Wahlerfolgen
der FDP. Man beschäftigte sich halt zu gern mit sich selbst und blendete die
Realitäten gerne aus. Viel bringt nicht immer viel. Inhalte müssen gelebt
werden und Schrift sollte den Rahmen für Gedanken und Ansichten bieten.
Würde es
eine gelebte Form des Hinterfragens geben, zeigten sich Schwachstellen in
historischen Hinterlassenschaften und Vorgaben unter Berücksichtigung der sich
im Laufe der Zeit ändernden Einflussfaktoren viel schneller. Das Festhalten an
Worten oder Schriften vergangener Zeiten führte so manche Gesellschaft ins
„Nirwana“. Wirkungsvolle, zeitgemäße Veränderungen ließen sich schneller
umsetzen und besser erklären.
Glücklicherweise
wusste sie sich zu helfen. Mit Stricken bezwang sie die Langeweile. Und meine
Mutter kann stricken, sie wurde zu DDR Zeiten des Öfteren für Ihre
ausgefallenen, westlichen Strickmodeheften entnommenen, wunderschönen
Kleidungstücke mit bewundernden Blicken und Worten überhäuft. Nähen, Backen und
Kochen gehören zu Ihren weiteren unübertroffenen Stärken. Ich bin der festen
Überzeugung dass, wäre sie statt von den russischen Truppen von den Amerikanern
und Ihren Alliierten befreit worden sie Ihre Talente auch in beruflicher
Hinsicht hätte einsetzen können. Dies gilt natürlich auch für 17 Millionen
andere Ostdeutsche, deren Befreiung sich ja nur um 44 Jahre gegenüber
Westdeutschland verzögerte. Denn von einer Diktatur in die nächste zu gelangen,
unbeachtet der Farbe die diese trägt, gehört nicht zu den schönsten Erfahrungen
eines Volkes.
Meine Mama
liebt das Theater und Bücher. Besuche von Opernhäusern und Theateraufführungen
standen oft auf dem Programm und selbstverständlich wurde jedes Stück vor dem
Besuch in Buchform gelesen, damit man der Handlung folgen konnte. Dies
steigerte noch den Genuss. Uns Kindern hat sie jeden Wunsch von den Augen
abgelesen und tut das auch heute noch. Und unser Zuhause war immer schick und
gemütlich aufgrund Ihres Geschicks und Interesses an dekorativen Dingen. Wie
für viele Familien gehört Weinachten zu den Höhepunkten jedes Jahres und bringt
die Emotionen zum Kochen mit der Frage der Verteilung der Gänsekeulen. Kriege
um dieses knappe Gut brechen nun nicht aus, seit 1989 stehen ausreichend,
zusätzliche Keulen zur Verfügung und niemand muss verzichten.
Aber wir
starten die Weihnachtsfeiertage trotzdem mit dieser Frage, da es ein Ritual
geworden ist. Ich kann da auch im Namen meiner Schwester und Nichte sprechen,
wenn ich sage, wir lieben unsere Eltern und Großeltern und sind Ihnen unendlich dankbar!
Diese vielen
schönen Erinnerungen sind auch eine Form der Motivation, denn immer wenn es mal
nicht so gut läuft im Leben kann ich aus ihnen Kraft und Energie ziehen. Eine
Gesellschaft, der diese Erinnerungen nicht wichtig sind und die nicht dafür
sorgt, dass die Kinder aller wieder vorhandenen „Schichten“ mit positiven
Eindrücken versorgt werden und dadurch gestärkt ins Leben gehen, hat früher
oder später ein grundlegendes Problem. Die Begeisterungsfähigkeit für
allgemeine Fragen des Lebens geht verloren. Von immer mehr Menschen wird immer
weniger gutes an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Personen, die in
der Gesellschaft positive Veränderungen herbeiführen möchten, stehen zunehmend
größeren Problemen wie Gleichgültigkeit bis hin zur Ablehnung gegenüber.
Verweigerungshaltung
ist ein Lieblingsbegriff für Jugendliche, die nicht so funktionieren wie sie
sollen. Dass es dafür aber auch Gründe gibt, die in der Gesellschaft zu suchen
sind wird nur selten öffentlich angesprochen. Dank der Pisa- Studie ging einem
Land mal auf, dass es ein Bildungsproblem hat. Wie würde Deutschland ohne
diesen genialen Einfall heute eigentlich dastehen? Das überlasse ich Ihrer
Fantasie. Ich besuchte in der DDR die sogenannte Polytechnische Oberschule.
Eine 10 Klassen Schule für alle. Das Wissen wurde wie heute auch mittels
Klassenarbeiten in Schriftform abgefragt, wodurch man gezwungen war, sich mit
dem Unterrichtsinhalt zu beschäftigen. Die Lehrer waren Respektspersonen und
die regelmäßigen Elternabende in den Schulen waren für mich immer ein Grund
schon im Vorfeld alle meine Vergehen in den Schulpausen oder im Unterricht
meinen Eltern zu beichten. Nichts blieb unentdeckt, alles wurde ausgewertet.
Alle wussten Bescheid, die Lehrer wie es zu Hause bei den Kindern stand und die
Eltern, wie sich Ihre Sprösslinge in der Schule so machten. Gab es Abweichungen
von dem was erwartet wurde, wurde nach Lösungen gesucht. Diese Korrekturen
betrafen meist den Schüler und nur selten den Lehrer. Alles in allem verstand
man sich mit den Lehrern aber recht gut. Sie machten immer einen kompetenten
Eindruck und ich kann mich an keinen erinnern, dem in irgendeiner Weise
Überforderung oder Lustlosigkeit anzusehen gewesen war. Dies liegt rückblickend
sicher auch an der angesehenen gesellschaftlichen Stellung, die einem Lehrer in
einer Diktatur zugestanden wird. Diese Staatsform kümmert sich in vielen Fällen
sehr intensiv um die Nachwachsenden, ihnen kann man die politischen Ziele und
Gegebenheiten unbeeinflusst von Erinnerungen am besten vermitteln. Sie sind die
wirklichen Träger der Nation und die Zukunft. Ich frage mich, wie es passieren
konnte, dass die Demokratie in Deutschland die Wichtigkeit der Bildungsfrage so
lange unterschätzen konnte. Als Säule des Landes sollte die Jugend in jeder
Gesellschaftsform gesehen werden und entsprechend breit gefördert werden. Hat
die Diktatur einen Plan und die Demokratie nicht? Oder liegt das Problem der
Demokratie in der Meinungsvielfalt und Parteienvielfalt nach dem Motto, “ Zu
viele Köche verderben den Brei“ beziehungsweise „Zu viele Köche bekommen den
Topf nicht aufs Feuer“. Wenn es einen Plan für die Zukunft gibt sollten auch in
der Demokratie alle Verantwortlichen das Ziel
der aufstrebenden Gesellschaft verfolgen. Es sollte Einigkeit über
Lehrmethoden und Lehrmittel herrschen. Die Lehrpläne und Lehrmittel sollten
einheitlich in allen Bundesländern gelten. Es ist unsinnig verschiedene
Ansichten zur Bildungspolitik in einem Staat zu vertreten und umzusetzen.
Vielmehr sollte man in kürzester Zeit die besten Lehrmethoden aus den
vergangenen Jahren angepasst an die zukünftigen Entwicklungen und Anforderungen
der Wirtschaft zusammenfassen und entsprechend umsetzen. Das entscheidende
bleibt dabei die stete Erfolgskontrolle an der Basis, sprich den Schülern und
Studenten an den Schulen und Universitäten und Unternehmen. Eine solche
Vorgehensweise würde dem Lehrkörper einen überschaubaren Rahmen bieten, in dem
der Weg und das Ziel klar beschrieben sind. Experimente braucht man in diesem
Bereich nicht sondern kontinuierliche auf Informationen beruhende Anpassungen
an die Erfordernisse. Dies fördert auch zugleich die Chancengleichheit aller
Kinder in diesem Land. Wer jetzt sagt, das brauchen wir nicht, hauptsächlich
geht es nur um mein Kind, macht einen großen Fehler. Intelligenz nur einer
besonderen Gruppe von Menschen zuzutrauen, wie es heute von einigen Mitbürgern
wieder versucht wird ist grundsätzlich falsch. Im deutschen Volk wird so viel
Intelligenz vorhanden sein, wie in jedem anderen auch. Die Frage taucht auf,
wie erkennen wir besonders begabte Kinder und können sie so fördern, dass ihre
Begabung nutzenbringend für die Gesellschaft eingesetzt werden kann? Welche
Formen und Ausprägungen von besonderen Fähigkeiten gibt es überhaupt und ist
der Lehrer von heute in der Lage und gewillt solche Kinder zu erkennen? Oder
überwiegt der Stress und für mehr bleibt kein Raum? Ich bin fest davon
überzeugt, dass der Wirtschaft aufgrund des derzeitigen Bildungssystems
Unmengen talentierten, engagierten und begabten, zu zukunftsorientierten
Denkens fähige Persönlichkeiten entgehen.
Heute stehen
den Jugendlichen alle Möglichkeiten offen. Es kommt nur darauf an, das
Interesse an bestimmten Tätigkeiten schon so früh wie möglich zu wecken. Die
beste Zeit dafür sind die Schuljahre. Man entwickelt sich und ist offen für die
verschiedensten Anregungen betreffend die berufliche Zukunft. Ein schönes Beispiel,
wie dies heute schon passiert sind die vom Unternehmen Evonic unterstützen
Kinderuniversitäten. Spielerisch werden Heranwachsende dort mit
naturwissenschaftlichen Experimenten an Berufe herangeführt, die ihnen ohne
diese Institution völlig unbekannt wären oder als zu langweilig erscheinen
würden.
In der DDR
konzentrierte man sich auf die Werbung von Schülern für alle militärischen und
polizeilichen Berufe. Indoktrination ist die Zauberformel, die auch wunderbare
Ergebnisse erbrachte. Mich selbst betraf es auch. Ich erinnere mich nur noch an
wenige Einzelheiten, so besuchten Schulklassen Kasernen der russischen Truppen,
der NVA oder Polizeireviere auch schon in den unteren Klassen. Uniformen,
Waffen, Fahrzeuge und motivierende Gespräche (besser Vorträge) mit/von
Offizieren taten ihr Übriges, bei vielen Kindern ein bleibendes Interesse zu
wecken. Auch Feuerwehren und andere Betriebe wurden Kindern vorgeführt und
gaben ihnen einen Einblick in die Arbeitswelt.
Auch wenn
die Industrie in Ostdeutschland unproduktiv war, handelt es sich bei dieser
Methode zum Zwecke der Interessenentwicklung und Mitarbeitergewinnung um eine
durchaus nachahmenswerte Methode. Die Unternehmen- Institutionen der heutigen
Gesellschaft (Bzgl.: Pflegesektor, Krankenhäuser) sollten frühzeitiger
ansetzen, sich begeisterte Mitarbeiterressourcen für die Zukunft zu
erschließen. Ebenso ist es möglich, die breite Masse der Jugend auch mit
zukunftsorientierten, innovativen, wissenschaftlichen Berufen in Berührung zu
bringen und dadurch die Lust am Lernen zu steigern. Orientierungslosigkeit,
Ziellosigkeit und Ängste lassen sich damit sicher um einiges minimieren.
Weitere positive Effekte sollten sich dann in der Industrie bemerkbar machen,
motivierte, entsprechend vorgebildete und in erforderlicher Anzahl vorhandene
Bewerber bereichern die Unternehmen. Und dies passiert alles ohne Zwang auf
spielerische Art und Weise. Dies erfordert aber eine langfristigere Betrachtung
aller Umstände und Erfordernisse einer Nation. Nur in Wahlperioden oder
Geschäftsjahren zu Denken ist für gewisse Aufgabenstellungen notwendig, für
andere aber unangebracht. Alle beteiligten sollten sich mehr bemühen,
zukünftige Erfordernisse zu erkennen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen.
Möglich wird dies durch vielseitige Informationsauswertung, gesammelt auch und
gerade bei der Basis, den Unternehmen und Institutionen. Der
Bildungsgesellschaft steht nichts im Wege, wenn man seine Bevölkerung
ausreichend informiert, ihr Chancen und Möglichkeiten aber auch Erfordernisse
bezüglich des notwendigen Bildungsstandes jedes einzelnen mitteilt. Sollte der
gewünschte Beruf dann nicht ergriffen werden, da sich entweder der Arbeitsmarkt
oder der Berufswunsch geändert hat, führt der höhere Bildungsstand auch zu
besseren Einstiegsmöglichkeiten in Alternativberufe. Bewerber und Gesellschaft
bleiben flexibel auch in Zeiten der Globalisierung. Ein weiterer Aspekt darf nicht unerwähnt bleiben, nämlich der innere
Antrieb, die Lust am gewählten Beruf, die Freude es zu tun. Dies könnte
auch ein probates Mittel sein, um Qualitätsprobleme in sensiblen Bereichen wie
der Altenpflege (Beispiel) in den Griff zu bekommen. Wobei es sich nicht
vermeiden lässt, in Branchen, in denen Menschen von Menschen abhängig sind,
Geld eine Rolle spielt und Fehlverhalten von Einzelnen oder Gruppen trotz
Selbstkontrolle nicht ausgeschlossen werden kann, unabhängige staatliche
Kontrollen zu etablieren. Es ist und bleibt seine Aufgabe, für Bildung und
Sicherheit aller seiner Bürger zu sorgen. Im Rahmen meiner Tätigkeit als
Außendienstler hatte ich die Möglichkeit, mir fast alle Altenheime Berlins
anzusehen. Es war beeindruckend und erschütternd zugleich, auf wie
unterschiedliche Weise Bürger unseres Landes ihren Lebensabend verbringen
können oder müssen. Das war wohl auch meine erste richtige Erfahrung mit den
Begriffen reich und arm. Es war auch der Anstoß, Land und Leute etwas genauer
zu betrachten.
Ich
unterschrieb schon mit 15 Jahren eine Bereitschaftserklärung, in der ich mich verpflichtete,
nach Schul- und Berufsausbildung sowie Ableistung des Wehrdienstes einer
Tätigkeit im Polizeidienst nachzugehen. Diese drei Dinge erledigte ich auch bis
1989. Die Wende ersparte es mir dann, mich als Polizist mit Rechten, Linken,
oder allgemeinen Gegner einer Sache herumzuschlagen. Ich wollte schon diesen
Beruf ergreifen und bewarb mich in Berlin, aber ein fehlender hoher Ton, der
mir in der schalldichten Kammer einfach nicht zufliegen wollte vernichtete alle
Wunschvorstellungen. Mit dem Satz, „Wir können Sie ja so nicht verbeamten, Ihr
Gehör könnte sich ja weiter verschlechtern und dann tragen wir die Kosten ihrer
Frühpensionierung“ entließ man mich in die Marktwirtschaft. Ich hätte es auch
ohne Beamtenstatus gemacht und an meiner Motivation wäre es auch nicht
gescheitert. Aber jedes Ende ist ja auch ein neuer Anfang. Bei der Suche nach
einer erfüllenden Tätigkeit kam gleich das nächste Handicap zum Tragen. Da die
DDR mich weder zum Abitur noch zur Berufsausbildung mit Abitur zuließ, bei mir noch
die für Ostdeutschland typische Familienplanung nachwirkte, ich also jung Vater
wurde, fiel die Entscheidung leicht. Vertreter. Neudeutsch nennt man das heute
Sales- Manager. Dank eines umfangreichen Wortschatzes und eines gewissen
Geschicks bei der Anwendung desselben,
viel es mir leicht, die Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen.
Es hat sogar Spaß gemacht. Zwischendurch versuchte ich mich mittels eines BWL
Studiums für höhere Aufgaben zu qualifizieren. Persönliche Umstände ließen mich
nach der Hälfte der Zeit und trotz guter Noten das Handtuch werfen. Ganz schön
blöd werden sie jetzt denken. Manchmal denke ich das auch. Viel öfter denke ich
aber, dass es wirklich genug BWL Studenten, Doktoren, Professoren und fertige
Praktiker gibt, es reicht sozusagen. Verschenkt war die Zeit jedenfalls nicht.
Verschenkt war die Zeit nicht, im Gegenteil. Ich weiß nun, dass alle wissen wie
es funktioniert, die Sache mit der Marktwirtschaft und dem Kapital im
Allgemeinen. Nur in Zeiten von Eurokrise und stärker werdenden Ausschlägen
der Konjunkturschwankungen, bei denen
jetzt schon ganze Volkswirtschaften vom Karussell geschleudert werden oder nur
mit Mühe und viel Ballast in Form von harten Euromünzen auf ihren Plätzen gehalten
werden können kommen mir Zweifel daran. Hinterfragen ist kaum erwünscht, was
gelehrt wird muss stimmen, denn es wurde immer gelehrt. Wenn es aber so ist,
dann sind auch alle weiteren Folgen absehbar. Geld ist ein knappes Gut. Somit
sind Gewinne der Unternehmen auch von der umlaufenden Geldmenge abhängig. Wenn
ich oben auf dem Gipfel des Mount Everest stehe geht es nur noch abwärts. Die
Frage ist nur, ob es bis zum Fuß des Berges hinabgeht, oder irgendwo
zwischendrin der Aufstieg von neuem beginnt. Europa ist nicht Amerika.
Nur wer
Fragen stellt bekommt auch Antworten.
Nur wer
zuhören kann, ist in der Lage zu verstehen!
Nur wer
versteht kann sinnvolle Handlungen ausführen!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen