Dienstag, 2. Juli 2013

Vorbilder

Vorbilder


Wir sehen nur noch das, was andere gewillt sind, uns zu zeigen. Da jeder fehlbar ist, sich täuschen lassen kann, aufgrund unzureichender Informationen und dem Willen des anderen zu täuschen, braucht man sich nicht über den Verlust der Integrität einstiger Vorbilder zu wundern. Die Alterspyramide lässt vermuten, dass sich das Wissen und die Erfahrungen des Lebens im mehrheitlichen Bereich des Alters aufhalten. Die Gesellschaft handelt allerdings gegenteilig. Sie fördert nur das Junge und sieht das Alte immer mehr als unnütze, finanzielle Belastung. Solche Einstellungen verbreiten sich immer schneller, je weniger Fixpunkte einer Gesellschaft und ihren Mitgliedern halt geben. Jungen Leuten wird das Gefühl eingeimpft, aufgrund ihrer Ausbildung und ihres Studiums mehr darzustellen, als die Generationen davor. Es wird nicht mehr darauf hingewiesen, dass erst die vorhergehenden Generationen ein solches Leben inklusive der entsprechenden Bildung ermöglicht haben. Ihr Beitrag in der Vergangenheit wird durch die Probleme der Jetztzeit und die zukünftigen, zu erwartenden Anforderungen und Kosten negiert.
Immer mehr Helden der Gesellschaft entpuppen sich nach einiger Zeit, ob durch Zufall oder Recherche, als unerkannte Symbionten der Gesellschaft. Sie leben von ihr, weniger mit ihr, sie saugen das letzte aus ihrer Umgebung ab, sei es Geld, sei es Arbeitskraft oder Wissen. Sie tun dies heimlich und oft  ohne das Wissen der Gesellschaft, da nur sie einen Vorteil aus dieser Symbiose ziehen und damit gleichzeitig gegen Gesetze der Gesellschaft verstoßen.
Jeder aufgedeckte Fall wird als stilisierter Beweis, für die Leistungsfähigkeit und Organisiertheit einer Gesellschaft gefeiert. Das tausende, ähnlich handelnde und von gleichen Einstellungen getriebene Menschen sich freudig die Hände reiben, wird geflissentlich ignoriert. Ich wurde nicht erwischt, alles blickt nun auf das eine „Opfer“, niemand kümmert sich um die Gesamtheit.
Wenn ein Herr H. aus M. Millionen unterschlägt, ist dies zwar schade, da er seine Vorbildwirkung verwirkt hat, aber auch irgendwie harmlos. Durch ihn, ist niemand zu Schaden gekommen. Er hat dieses Geld verdient, man hat es ihm ausgezahlt und er hat damit nach seinen Einstellungen gehandelt. Ja, dem Staat fehlen ein paar Euro Steuern. Doch die Frage lautet, warum sind die Geldflüsse des einfachen Arbeiters für alle Ämter erkennbar, warum sind große Summen von Spitzenverdienern scheinbar unsichtbar. Herr H. ist nur das Opferlamm, zur Beruhigung der Massen geschlachtet.
Menschen, die mit Hartz 4 in Berührung kommen, wissen sehr genau, kein Eurocent bleibt unentdeckt, kein Geldfluss ohne Nachfrage durch das Amt. Erst wenn alles verbraucht ist, können sie auf Hilfe hoffen.
Wenn nur zehn Prozent der Arbeitslosen, so arbeiten, wie mir in einem Gespräch vor kurzem mitgeteilt wurde, sind die Verluste des Staates um einiges größer als angenommen.
Herr E aus B arbeitet bei einer Transportfirma in der Stadt B. Seit zwei Jahren verdingt er sich offiziell als Minijobber auf 160€ Basis. Er arbeitet allerdings Vollzeit und erhält von seinem Arbeitgeber 700€ Cash, zusätzlich zu den 160€. Das Arbeitsamt zahlt ihm die 360€ Hartz 4 und somit seine Versicherungen. Der Firmeninhaber spart einiges an Steuern und Abgaben, hat dafür wohl ein überdurchschnittliches, eigenes Gehalt, welches für die Zahlungen unter der Hand genutzt werden muss. Der Mitarbeiter ist zufrieden, der Chef ist es auch, der Staat auch, da er nichts weiß.
Später, ist einer Millionär, viele andere Menschen haben sich keine anständige Rentenanwartschaft erarbeiten können. Der Staat zahlt dann im Alter wieder einen Zuschuss, um diesen Menschen ein Überleben zu sichern. Der Staat zahlt also nicht nur jetzt, die Lohnersatzleistungen für geleistete Arbeit, sondern übernimmt auch die Altersversorgung für diese Menschen. Für diesen einen Menschen. Der schlau genug ist, aus der Symbiose innerhalb des Staatsgebildes, seinen persönlichen Vorteil zu ziehen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es sich bei solchem Gebaren um Einzelfälle handelt. Lohndruck und Gier sind die Grundpfeiler des kapitalistischen Systems, ihnen kann man kaum mit dem „guten Willen“ alleine entgegenwirken.
Immer mehr Firmenlenker sehen das Volk als lebendigen Acker, welchen man nur regelmäßig pflügen muss. Am Anfang der Beschäftigung steht das Gehalt oder der Lohn als Dünger für übermäßige Leistungen. Hört man auf, die erbrachte Leistung zu bezahlen, gehen die meisten von alleine, werden vom Arbeitsamt für die Aufgabe der unbezahlten Arbeit noch bestraft. Nur die Arbeitgeber gehen Straffrei aus. Oft fehlt es den Opfern dieser Machenschaften an Geld und Wissen, um gerichtlich, ihre Ansprüche durchzusetzen. Im Grunde genommen haben sie aber nur keine Zeit, da sie die Lebensumstände, das Nichtvorhandensein von finanziellen Reserven in die Hände des nächsten Ausbeuters treiben.
Immer mehr Menschen kommen mit diesen Vorgängen in Berührung. Die einen nehmen sich das zum Vorbild, die anderen leiden darunter und können sich nicht wehren.
Wer bietet gegen diesen Verfall der Gesellschaft noch Schutz? Wer ehrlich ist, kennt die Antwort. Niemand.
Sportler und Musiker sind bestimmt Vorbilder, solange sie nicht ihre persönliche Meinung äußern. Musiker, die gedankenschwere, gesellschaftskritische, problembezogene Texte singen und im Interview zugeben, dass sie sich nur wenig Gedanken über die Inhalte machen, dienen zwar der Unterhaltung, sind aber im Grunde genauso leer, wie ein Großteil der Gesellschaft es schon ist. Ihnen werden die Texte vorgegeben, wie den Studenten die immer wieder gleichen Formeln und Erkenntnisse. Auch dies führt also nicht zu gesellschaftlichen Veränderungen und fördert nicht den Blick über den Tellerrand. Oder Musiker, die bestimmte Wohngegenden ablehnen, da dort die Unterklasse wohnt, obwohl auch oder gerade daher ihre Fans kommen und diese sich ihr Leben kaum so wünschen.
Als Leistungsträger und Vorbilder können einige Vertreter dieser Disziplinen schon dienen. Wenn man ihre Ansichten ausblendet und nur die gesamtgesellschaftliche Leistung in der Öffentlichkeit bewertet. Sprich, wenn man nicht alles weiß. So ist es wohl mit vielen Vorbildern, aus der Wirtschaft und der Gesellschaft. Je begrenzter das Wissen über sie, je leuchtender ihr Schein. Denn die Begrenztheit macht sie für die breitere Masse attraktiv. Je mehr Einzelheiten bekannt werden, umso mehr Widersprüchlichkeiten treten auf. Dies ähnelt den Marketingstrategien der Firmen dieser Welt. Weniger ist mehr und trifft auf mehr Verständnis. Kompliziertheit stößt ab und trifft auf Widerstand, außer bei wenigen, die das Komplizierte lieben.
Man soll den Vorbildern folgen. Oft führen und führten sie Gesellschaften in den Abgrund. Denn es waren oftmals die falschen Werte, die durch diese Vorbilder transponiert und transportiert wurden.

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