Worte und Taten innerhalb des demokratischen Gebildes
Demokratie bedeutet laut Duden, die Volksherrschaft durch
gewählte Vertreter des Volkes. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass alle
Entscheidungen auf dem Volkswillen beruhen sollten und diesem auch zugutekommen
sollten. Das Volk ist sich niemals einig darin, was für sich das Beste ist, so
ist es auch mit den Parteien. Diese bilden nur einen Teil der
Bevölkerungsmeinung ab. 40 bis 50 Prozent der Wahlberechtigten gehen aus
Verdruss oder Zufriedenheit nicht mehr zur Wahl. X- Prozent wählen davon diese
oder jene Partei. Diese Rechnung im Kurzformat macht deutlich, wie gering die
Verankerung der einzelnen Parteien in der Bevölkerung eigentlich ist. Im
Gegensatz dazu ist das Entscheidungspotential der politischen Institutionen um
ein Vielfaches höher. Und das Volk kann lediglich über die Volksvertreter
entscheiden. Über deren Verhalten, deren Entscheidungen und Einstellungen, kann
es sich anschließend nur wundern, manchmal freuen, doch es kann diese Dinge
kaum mehr beeinflussen. Parteien tragen in Deutschland Farben, Mal Gelb, mal
Grün, mal Rot, auch Braun und Orange treten vereinzelt in Erscheinung. Schwarz
gehört gerade zu den Siegerfarben. Sie nennen sich konservativ, fortschrittlich,
alternativ, gerecht und zukunftsorientiert. Sie haben für alle Probleme und
alle Fragen die passenden Antworten parat. Manche Vorschläge gefallen der
Bevölkerung, manche werden von dieser weder wahrgenommen, noch verstanden, und
manche werden abgelehnt und dennoch umgesetzt. Oft gleicht sich der Weg, den
die unterschiedlichen Farben beschreiten und unterscheidet sich nur in der Wahl
der Wörter und in der Form der Darbietung. Es gleicht bei genauerem Hinsehen
einer Theateraufführung, vor mal interessiertem und mal gelangweiltem Publikum.
Es sind Vorstellungen, die wie Theaterstücke meinungsbildend und
richtungslenkend sind, je nach dramaturgischer Umsetzung. Wer ist der Regisseur
hinter den Kulissen, wer der Finanzier und Vordenker. Wer bestimmt tatsächlich
die Richtung, in die sich alles bewegt. Für den überwiegenden Teil der
Bevölkerung, stellt sich diese Frage nicht. Sie stellt sich überhaupt nicht,
solange Versprechungen und Ergebnisse sich halbwegs die Waage halten und die
Mehrheit der Bevölkerung am antrainierten Rhythmus des Lebens teilnehmen kann.
Sie stellt sich auch nicht, wenn die Mehrheit der Bevölkerung eine Minderheit
als den Fehler im System ansieht und anerkennt. Somit bleiben soziale Ungerechtigkeiten
und Nöte immer schön erklärbar und im Angesicht des Großen und Ganzen
verzeihlich. Schuld sind immer die Anderen und die falschen Entscheidungen
liegen meist Jahre zurück. Niemand kann sich so richtig daran erinnern, wie es
zu den Fehlentscheidungen kam, die Voraussetzungen waren damals ja ganz anders
und im Übrigen waren sie aus heutiger Sicht, damals richtig. Dies ist richtig
und falsch zugleich. Die Frage ist doch, welchen Zeitraum man für die
Wirksamkeit von Entscheidungen ansetzt, welche Einflüsse und Faktoren auf
zukünftige Ereignisse man betrachtet, oder eben nicht. Welche Ziele ergeben
sich aus den momentanen Situationen und wem nützen die Entscheidungen auf lange
Sicht? Allen gesellschaftlichen Schichten, oder nur Teilen der Gesellschaft?
Politiker sind keine Hellseher. Das Wahlvolk noch viel
weniger. Doch Gott gab allen ein Hirn und die Fähigkeit zum Nachdenken.
Wer Probleme hat, in die Zukunft zu sehen, sollte sich mit
der Vergangenheit beschäftigen. Er male sich einen Zeitstrahl auf und
kennzeichne auf diesem die Entwicklungen der relevanten Kennzahlen nach Jahren.
Dann verlängere er den Zeitstrahl in die Zukunft und kann sich ein besseres
Bild der Entwicklungen machen. In Excel Tabellen sind es die Trendlinien,
welche manchmal mehr Aussagen, als kurzfristige Tages und Monatsergebnisse.
Kann die Bevölkerung eines Landes ärmer werden, obwohl das
Land selbst immer reicher wird? Können die Steuereinnahmen eines Landes
steigen, obwohl die Bevölkerungsbasis immer weniger Steuern zahlt? Alles eine
Frage der Betrachtungs- und Herangehensweise.
Wer den Durchschnitt bildet, teilt die Gesamtsumme
normalerweise durch die Anzahl der Einzelposten. Bei zwei Werktätigen, mit
zusammen 5800€ Gehalt, ergibt sich ein Durchschnittsgehalt von 2900€. Das
klingt ja ausgezeichnet, für den einen, der 5000€ im Monat verdient, für den
anderen, mit 800€ im Monat klingt es wie Hohn. Doch dies ist die Realität. Die
wenigen, mit den höchsten Einkünften oder Einnahmen, auch Umsätzen, bestimmen
den Durchschnitt. Sie bilden aber nicht die gelebte Realität der Masse, ob Betrieb
oder Bevölkerung, ab.
Man kann nur hoffen, dass bei all den Möglichkeiten, der
Selbsttäuschung und des Ausblendens, durch Zufall, der richtige Weg
eingeschlagen wird. Positive und aufstrebende Entwicklungen bedürfen eines
erhöhten Einsatzes an Willenskraft und Umsetzungswillen. Der Sinn für die
Realitäten des Lebens und der Blick für die Details, aus denen sich diese
Realitäten zusammensetzen, sind wohl nicht mehr vielen gegeben. Wie viel Zeit
bleibt noch, um sie neu zu entwickeln?
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