Freitag, 14. Juni 2013

Die Worte Markt- und Planwirtschaft

Die Worte Markt- und Planwirtschaft


Alles nur Worte, doch Worte lösen Handlungen aus. Beim Wort „Planwirtschaft“ rollen dem Kapitalisten von heute, die Schweißperlen in den Nacken, oder ist es nur die Angst vorm nächsten Review vor der Geschäftsleitung, vor den Aktionären, der Gesellschaft als Ganzes? Viele vergessen, dass die freie Marktwirtschaft von jedem Betrieb auch eine Planung abverlangt, oder möchten am liebsten planlos handeln. Diese Pläne beruhen manchmal auf realitätsnahen Informationen des wirtschaftlichen und politischen Umfeldes und sind mal Ausdruck, für engstirniges, arrogantes und selbstherrliches Unverständnis der Unternehmensführung für die Realität.
Wirtschaftspläne werden also erstellt, der rote Faden für Mitarbeiter und deren Führungspersonal. Ausgangssituationen, Ziele und die Formen und Arten der Maßnahmen, welche zur Erfüllung der Pläne beitragen sollen. Viele Firmen verlängern schon die Planungszeiträume, ähnlich der 5 Jahrespläne im sozialistischen Wirtschaftssystem. Vorteil, Schwankungen in der Erfüllung, durch außergewöhnliche Umstände müssen nicht ständig erklärt werden, können aber in der Umsetzung Berücksichtigung finden. Allerdings nur, wenn jemandem, irgendetwas auffällt und nicht alle an einem nicht umzusetzenden Plan festhalten, der dann das Aus bedeutet. Als Beweise können alle ehemaligen Ostländer und verschiedenste Firmen des Inn- und Auslandes herangezogen werden.
Planvoll wirtschaften tut also nicht weh. Im Gegenteil, spricht man von der Selbstreinigungskraft der Märkte im planlosen System, vermeidet der Mensch es wohl mit Absicht, von den tatsächlichen Vorgängen zu sprechen. Von den Schicksalen der menschlichen, denkenden und fühlenden Individuen, von deren Nöten und Ängsten. Der Betrieb an sich ist ein Ding, eine gefühllose, leblose Sache. Die beteiligten Menschen füllen ihn mit Leben aus. Doch von ihnen wird nur am Rande berichtet. Und nach dem Ende einer Unternehmung geraten eher die Schicksale der Menschen, als der Name des Unternehmens in Vergessenheit.
Im Grunde beruht alles auf einem Plan, teilt man dessen Inhalt seinen Nachbarn nicht mit, hat man zuerst mal Erfolg, durch klare wirtschaftliche Vorteile. Kostenvorteile bestimmen, nachdem Design- und Innovationsvorteile ausgeschöpft sind, die Erfolgskurven der Unternehmen.
Als die Bundesrepublik die DDR vereinnahmt hatte, mussten die Vorauskommandos wohl innerlich jubeln. Wie lange war es her, dass sie Menschen für so wenig Geld hatten arbeiten sehen. Niemand stellte Forderungen, alle bangten nur um ihre Jobs und ihre kleine, heile Welt. Was dort ging musste nun als wirtschaftliche Grundlage herhalten. Niedrige Löhne in immer mehr Bereichen der Wirtschaft wurden durch Umwälzung der Belegschaften in immer kürzeren Zeiträumen und Auslagerung der Menschen in Billigfirmen erreicht. Damit schürten sie den Konkurrenzgedanken unter den Belegschaften und zerstören damit den Zusammenhalt der betroffenen Schichten. Die Erhöhung der Gewinnmargen unter allen Umständen, die Sicherung der Weltmarktanteile an Handel und Industrie sind die einzigen noch verbliebenen Ziele dieser Marktwirtschaft.
Den anderen europäischen Ländern fehlte dieser wirtschaftliche Einblick, in das Leben der Ostländer. Sie sind seit Jahren mit Arbeitskämpfen beschäftigt und können sich ein anderes Model nicht im Traum vorstellen. Sie hatten aus ihrer Sicht höchstens Mitleid, mit den verarmten Menschen des postkommunistischen Systems. Wo deutsche Chefs ihre Rettung sahen und sehen, sahen und sehen sie nichts.
Das Wasser fließt immer Flussabwärts. So ist es wohl auch mit dem Geld. Niedrigere Löhne machen die Produkte interessanter und natürlich erschwinglicher. Bei gleicher Qualität entscheidet der Preis. Zumindest langfristig. Denn mit  einer überraschenden, überzeugenden und gewinnenden Kommunikation, lassen sich manchmal auch teurere Produkte an Interessenten verkaufen. Dies gelingt allerdings oft nur über einen kurzen Zeitraum. Bleibt den Interessenten Zeit für Recherche und eigene Nachforschungen, haben sie Zeit, sich mit ihren Entscheidungen zu beschäftigen, werden sich die Ziele ihrer Begierden verlagern. Ihre eigene Gewinnspanne findet mehr Beachtung, die Auswahlmöglichkeiten erhöhen sich mit dem Zeitfaktor exorbitant. Sie können ihre Investitionen „planen“.  
Ist der Plan aufgegangen? Ja, viele Flüsse fließen nach Deutschland und füllen die Flussbetten und Auen. Blühende Vorgärten, für die Beteiligten, für diejenigen, welche nur den Löffel hinzuhalten brauchen, um vom süßen Brei genügend abzubekommen.
Eine nicht schwindende Zahl von Arbeitslosen, Geldverdienern und von Armut betroffene Kinder, Jugendliche, junge und alte Menschen sind ein scheinbar überschaubarer Preis für diesen Plan. Ohne ihn, sähe es wohl schlimmer aus.
In den anderen Staaten der europäischen Union scheinen Geld, Ideen und Zukunftsträume von den reißenden Flüssen mitgerissen worden zu sein. Dies passiert, wenn man einen Plan hat, für den sich weder Gott noch der Markt interessieren. Geld ersetzt keinen Plan und schon gar keine fehlenden Ideen. Es kann die Träume von einer besseren Zukunft bis zum Erwachen in der erneuten Depression fördern.
Schon oft und gerne erwähnte ich das Wort „Ausgeglichenheit“. Ein Fluss ohne Gefälle kommt zum Stehen. Dies ist auch nicht vorteilhaft. Es muss also neben dem Zufluss auch einen Abfluss geben, der Kreislauf muss funktionieren. Dies steht allerdings den gelehrten Einstellungen des Menschen in der heutigen Gesellschaft entgegen. Habe Erfolg, sei erfolgreich, missachte die Erfolglosen. Dies ist dann wohl der ungebremste Kapitalismus. Oder die Dummheit der Beteiligten? Wer möchte diese Frage schon beantworten.  Stückzahlen oder Gefühle, Einstellungen oder Vorstellungen, entweder...oder, dass alles auch im Zusammenhang stehen kann und über Erfolg und Misserfolg auf lange Sicht entscheidet, zu dieser Erkenntnis gelangen in ihrem Leben die wenigsten Menschen. Aber vielleicht ist selbst dieser Umstand ein Schutzprogramm der Seele, um das Elend in der Welt nicht verstehen zu müssen und selbst nicht leiden zu müssen.
Ein Plan kann, wenn er nicht missbraucht und entstellt wird, durchaus wegweisenden Inhalt haben, den roten Faden in einer zutiefst komplizierten Welt bilden, an dem sich alle festhalten können.
Alle Menschen in Richtung Boden drücken, diesen Plan haben schon alle gesellschaftlichen Vorgängermodelle kopiert und sind gescheitert. Allerdings lässt er sich am einfachsten umsetzen. Dafür bedarf es weder Schulen noch Universitäten, weder Bildung noch Gebildete.

Die betroffenen merken es erst sehr spät, wenn überhaupt.

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