Die Worte Markt- und Planwirtschaft
Alles nur Worte, doch Worte lösen Handlungen aus. Beim Wort „Planwirtschaft“
rollen dem Kapitalisten von heute, die Schweißperlen in den Nacken, oder ist es
nur die Angst vorm nächsten Review vor der Geschäftsleitung, vor den Aktionären,
der Gesellschaft als Ganzes? Viele vergessen, dass die freie Marktwirtschaft
von jedem Betrieb auch eine Planung abverlangt, oder möchten am liebsten
planlos handeln. Diese Pläne beruhen manchmal auf realitätsnahen Informationen
des wirtschaftlichen und politischen Umfeldes und sind mal Ausdruck, für
engstirniges, arrogantes und selbstherrliches Unverständnis der
Unternehmensführung für die Realität.
Wirtschaftspläne werden also erstellt, der rote Faden für
Mitarbeiter und deren Führungspersonal. Ausgangssituationen, Ziele und die
Formen und Arten der Maßnahmen, welche zur Erfüllung der Pläne beitragen
sollen. Viele Firmen verlängern schon die Planungszeiträume, ähnlich der 5 Jahrespläne
im sozialistischen Wirtschaftssystem. Vorteil, Schwankungen in der Erfüllung,
durch außergewöhnliche Umstände müssen nicht ständig erklärt werden, können
aber in der Umsetzung Berücksichtigung finden. Allerdings nur, wenn jemandem,
irgendetwas auffällt und nicht alle an einem nicht umzusetzenden Plan
festhalten, der dann das Aus bedeutet. Als Beweise können alle ehemaligen
Ostländer und verschiedenste Firmen des Inn- und Auslandes herangezogen werden.
Planvoll wirtschaften tut also nicht weh. Im Gegenteil,
spricht man von der Selbstreinigungskraft der Märkte im planlosen System,
vermeidet der Mensch es wohl mit Absicht, von den tatsächlichen Vorgängen zu
sprechen. Von den Schicksalen der menschlichen, denkenden und fühlenden
Individuen, von deren Nöten und Ängsten. Der Betrieb an sich ist ein Ding, eine
gefühllose, leblose Sache. Die beteiligten Menschen füllen ihn mit Leben aus.
Doch von ihnen wird nur am Rande berichtet. Und nach dem Ende einer
Unternehmung geraten eher die Schicksale der Menschen, als der Name des
Unternehmens in Vergessenheit.
Im Grunde beruht alles auf einem Plan, teilt man dessen
Inhalt seinen Nachbarn nicht mit, hat man zuerst mal Erfolg, durch klare
wirtschaftliche Vorteile. Kostenvorteile bestimmen, nachdem Design- und
Innovationsvorteile ausgeschöpft sind, die Erfolgskurven der Unternehmen.
Als die Bundesrepublik die DDR vereinnahmt hatte, mussten
die Vorauskommandos wohl innerlich jubeln. Wie lange war es her, dass sie
Menschen für so wenig Geld hatten arbeiten sehen. Niemand stellte Forderungen,
alle bangten nur um ihre Jobs und ihre kleine, heile Welt. Was dort ging musste
nun als wirtschaftliche Grundlage herhalten. Niedrige Löhne in immer mehr Bereichen
der Wirtschaft wurden durch Umwälzung der Belegschaften in immer kürzeren
Zeiträumen und Auslagerung der Menschen in Billigfirmen erreicht. Damit schürten
sie den Konkurrenzgedanken unter den Belegschaften und zerstören damit den
Zusammenhalt der betroffenen Schichten. Die Erhöhung der Gewinnmargen unter
allen Umständen, die Sicherung der Weltmarktanteile an Handel und Industrie
sind die einzigen noch verbliebenen Ziele dieser Marktwirtschaft.
Den anderen europäischen Ländern fehlte dieser
wirtschaftliche Einblick, in das Leben der Ostländer. Sie sind seit Jahren mit
Arbeitskämpfen beschäftigt und können sich ein anderes Model nicht im Traum
vorstellen. Sie hatten aus ihrer Sicht höchstens Mitleid, mit den verarmten
Menschen des postkommunistischen Systems. Wo deutsche Chefs ihre Rettung sahen
und sehen, sahen und sehen sie nichts.
Das Wasser fließt immer Flussabwärts. So ist es wohl auch
mit dem Geld. Niedrigere Löhne machen die Produkte interessanter und natürlich
erschwinglicher. Bei gleicher Qualität entscheidet der Preis. Zumindest
langfristig. Denn mit einer
überraschenden, überzeugenden und gewinnenden Kommunikation, lassen sich
manchmal auch teurere Produkte an Interessenten verkaufen. Dies gelingt
allerdings oft nur über einen kurzen Zeitraum. Bleibt den Interessenten Zeit
für Recherche und eigene Nachforschungen, haben sie Zeit, sich mit ihren
Entscheidungen zu beschäftigen, werden sich die Ziele ihrer Begierden
verlagern. Ihre eigene Gewinnspanne findet mehr Beachtung, die Auswahlmöglichkeiten
erhöhen sich mit dem Zeitfaktor exorbitant. Sie können ihre Investitionen „planen“.
Ist der Plan aufgegangen? Ja, viele Flüsse fließen nach
Deutschland und füllen die Flussbetten und Auen. Blühende Vorgärten, für die Beteiligten,
für diejenigen, welche nur den Löffel hinzuhalten brauchen, um vom süßen Brei
genügend abzubekommen.
Eine nicht schwindende Zahl von Arbeitslosen,
Geldverdienern und von Armut betroffene Kinder, Jugendliche, junge und
alte Menschen sind ein scheinbar überschaubarer Preis für diesen Plan. Ohne
ihn, sähe es wohl schlimmer aus.
In den anderen Staaten der europäischen Union scheinen Geld,
Ideen und Zukunftsträume von den reißenden Flüssen mitgerissen worden zu sein.
Dies passiert, wenn man einen Plan hat, für den sich weder Gott noch der Markt
interessieren. Geld ersetzt keinen Plan und schon gar keine fehlenden Ideen. Es
kann die Träume von einer besseren Zukunft bis zum Erwachen in der erneuten
Depression fördern.
Schon oft und gerne erwähnte ich das Wort „Ausgeglichenheit“.
Ein Fluss ohne Gefälle kommt zum Stehen. Dies ist auch nicht vorteilhaft. Es
muss also neben dem Zufluss auch einen Abfluss geben, der Kreislauf muss
funktionieren. Dies steht allerdings den gelehrten Einstellungen des Menschen
in der heutigen Gesellschaft entgegen. Habe Erfolg, sei erfolgreich, missachte
die Erfolglosen. Dies ist dann wohl der ungebremste Kapitalismus. Oder die
Dummheit der Beteiligten? Wer möchte diese Frage schon beantworten. Stückzahlen oder Gefühle, Einstellungen oder
Vorstellungen, entweder...oder, dass alles auch im Zusammenhang stehen kann und
über Erfolg und Misserfolg auf lange Sicht entscheidet, zu dieser Erkenntnis
gelangen in ihrem Leben die wenigsten Menschen. Aber vielleicht ist selbst
dieser Umstand ein Schutzprogramm der Seele, um das Elend in der Welt nicht verstehen
zu müssen und selbst nicht leiden zu müssen.
Ein Plan kann, wenn er nicht missbraucht und entstellt wird,
durchaus wegweisenden Inhalt haben, den roten Faden in einer zutiefst
komplizierten Welt bilden, an dem sich alle festhalten können.
Alle Menschen in Richtung Boden drücken, diesen Plan haben
schon alle gesellschaftlichen Vorgängermodelle kopiert und sind gescheitert.
Allerdings lässt er sich am einfachsten umsetzen. Dafür bedarf es weder Schulen
noch Universitäten, weder Bildung noch Gebildete.
Die betroffenen merken es erst sehr spät, wenn überhaupt.
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